Die geehrten SportfunktionäreÜberrascht von der Ehre

ah - Sie stehen nicht jede Woche in der Zeitung, und oft kann nicht einmal der eigene Verein einschätzen, wie wichtig sie für ihn sind: «Wie kommt der DFB denn ausgerechnet auf mich?», war daher auch die meist gestellte Frage, als 14 Fußball-Funktionäre aus der Region in einer Feierstunde in Oberhaching aus der Hand von Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmair den überfälligen Dank für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement erhielten.

Die Geehrten von links: Josef Streck (TV Kraiburg), Hans Schwab (Kreis-Ehrenamtsbeauftragter), Lorenz Aimer (TSV Babensham), Ludwig Pertl (ESV Rosenheim), Alois Braun (TuS Raubling), Hans Gaßbichler (TSV Rimsting), Willi Kaufmann (ESV Mühldorf), Peter Mallmann (ESV Traunstein) und Horst Winkler (Kreisspielleiter).

 

Sie sind seit 25, 30 oder 40 Jahren Kassier, Jugendtrainer, Platzwart. Viele haben «ihren» Fußballverein schon mitgegründet. Für Leute wie sie kann die Auszeichnung mit einer Urkunde und der DFB-Uhr nur eine Geste sein. Und doch, erzählte der BFV-Vizepräsident und Bezirksvorsitzender Alfred Fackler, seien sie überrascht gewesen von ihrer Ehrung mit dem «DFB-Sonderpreis für vorbildliche ehrenamtliche Leistungen im Fußballsport». Der Fußballverband hat dafür eigens Ehrenamtsbeauftragte in den vier Fußball-Kreisen in Oberbayern eingesetzt. Im Kreis Inn/Salzach weiß Hans Schwab (Berchtesgaden) nur zu genau, dass vielfach nicht der Vorstand das wichtigste Glied im Verein ist.

Ludwig Pertl etwa ist seit 30 Jahren bei seinem Heimatverein ESV Rosenheim und für andere Fußball-Vereine in Rosenheim als Junioren- und als Herren-Trainer aktiv. Oder Lenz Aimer: Er war beim TSV Babensham zunächst zehn Jahre als Platzwart für den Zustand des Fußball-Spielfeldes verantwortlich, bevor er sich als Zweiter Vorstand in die Pflicht nehmen ließ. Hans Hawlitschek, seit 1974 Abteilungsleiter beim WSC Bayerisch Gmain, hat seinen Wirkungskreis noch über den Fußball hinaus erweitert: Seit fünf Jahren ist er Bürgermeister der Gemeinde an der Salzburger Landesgrenze.

«Löwen»-Präsident Karl-Heinz Wildmoser ließ es sich nicht nehmen, seinem Nachfolger die Auszeichnung selbst zu überreichen. Nicht beim TSV 1860 München, sondern beim SC Armin München ist Hans Deischl 1988 in die Fußstapfen des damaligen Vorstands Wildmoser getreten. Dort lernte der heutige «Löwen»-Chef, was es heißt, einen Sportverein zu führen. «Ich kenne ihn schon als Bub, damals hat er noch geboxt», erinnerte sich Wildmoser beim Wiedersehen mit dem rührigen «Arminen». Fußballmüde sind die Funktionäre auch nach so langer Zeit nicht. Fast alle folgten der Einladung Wildmosers zum Bundesliga-Spiel gegen Borussia Dortmund. «Du hast oft den Spott, wenn es nicht läuft, aber selten das Lob, wenn die Mannschaft an der Spitze steht», kann Minister Zehetmair sich in die Rolle derer hinein versetzen, ohne die nichts laufen würde im Fußballverein. «Das Ehrenamt ist im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbar.» Bezahlt wird es meistens ohnehin nicht. Stattdessen leidet oft noch die Familie unter der schönsten Nebensache der Welt: «Manchmal habe ich schon ein richtig schlechtes Gewissen gegenüber meiner Frau», gestand Wildmoser. Die positiven Seiten vergisst der volkstümliche Großgastronom darüber nicht: «Das bringt uns einen Riesen-Bekanntenkreis.» Doch ganz von ungefähr kommt es nicht, wenn der Sportrichter und Bezirks-Ehrenamtsbeauftragte Peter Heiß, selbst seit Jahrzehnten ehrenamtlich für den Fußball tätig, am Ende augenzwinkernd Wilhelm Busch zitierte: «Willst du froh und glücklich leben, lass dir kein Ehrenamt nicht geben...».