Reisebericht vom Vereinsausflug nach Ungarn vom 06.07. - 08.07.01

Titel: Die verspielte First Lady

Ein Dank gilt vor allem zunächst den Organisatoren dieser Fahrt, Geli und Max Huber, wobei vermutlich Geli die Hauptarbeit geleistet hat. Ihr habt eine tolle Reise geplant, die super gelaufen ist. Außerdem möchte ich vorausschicken, dass die folgenden Zeilen nicht unbedingt allzu ernst genommen werden dürfen, denn auch meine Wahrnehmung war während dieser 3 wundervollen Tage hin und wieder etwas verschwommen.

Es begann alles am Freitag, 06.07.01 kurz vor 08.00 Uhr bei der Turnhalle in Rimsting: Alle Teilnehmer waren anwesend, das Gepäck verstaut, die Stimmung gut und Brotzeit und Getränkevorrat ausreichend (glaubte man bis dahin zumindest noch). Der Abfahrt stand nichts im Weg!

Nichts? Eines stand doch der Abfahrt entgegen: Unser Busfahrer Herbert Bauer stellte die, für die meisten eigentlich überflüssige, Frage, ob jeder einen gültigen Pass oder Personalausweis dabei hat. Und siehe da, tatsächlich gab es jemanden, dem bei diesen Gedanken das Herz in die Hosen rutschte: Rene! Viele wunderten sich zunächst, dass es überhaupt möglich war, als Preuße einen Personalausweis zu besitzen, aber in dieser Welt ist tatsächlich nichts mehr unmöglich! Aber die Verblüffung wuchs noch mehr, als sogar die Vaterlandsverräter der Rimstinger Gemeindeverwaltung diesem „Zua‘groasten“ innerhalb einer ½ Stunde einen vorläufigen Ausweis ausstellten. Na ja, ein Gutes hatte es wenigsten, die Fahrt konnte endlich beginnen, denn die Ausstellung einer „Greencard“ hätte länger gedauert.

Man bereitete sich also auf eine mehrstündige Busreise vor. Doch kaum wurden die ersten Xamax geöffnet, wurde die Fahrt jäh unterbrochen. Wollte doch tatsächlich der abtrünnige „Prinze“ Max Ziegmann in Prien noch zusteigen. Er hatte wohl gehört, dass es im Zielort in Ungarn einen Englischen Garten gibt, was ihm vom Studium in München bekannt vorkam, weshalb er sich spontan der Gruppe anschloss. Aber dann gings endlich richtig los.

Nach noch mehr Xamax, einer Brotzeit- und Kaffeepause in Österreich erreichte man am späten Nachmittag endlich das Ziel in Ungarn. Dass an der österreichisch-ungarischen Grenze den Kontrollbeamten mehr Ausweise vorgelegt wurden, als unser Vorstand Mitfahrer gezählt hatte, verwundete nach diesen 3 Tagen sowieso niemanden mehr.

Tata, Tata! Nein, ich bin nicht ins Säuglingsstadium verfallen! Tata heißt die ungarische Stadt, in der wir uns für das Wochenende niederließen. Das Hotel, das uns Eva Simon vermittelt hatte, war gut und sauber, wenn auch für einige von uns zu modern. Hatte sie doch Schwierigkeiten mit den Zimmertüren, die sich nur mit einer Chipkarte öffnen ließen. Aber, wer sonst halt auch nur mit Bargeld bezahlt, wie soll der jetzt plötzlich mit einem 1000-Forint-Schein eine Zimmertür öffnen können? Als auch diese Leute endlich aufgeklärt waren, konnte nach einem Spaziergang im Englischen Garten, einem Bad in nahegelegenen Schwimmbad, einer Wanderung zum örtlichen See oder einfach nur einem gepflegten Duschbad das Abendessen eingenommen werden.

Nach anfänglichen Hindernissen bezüglich der Getränkebezahlung, hatte unser Vorstand Thomas Fritz als bekannter Finanzjongleur einfach die komplette Rechnung übernommen – super, wir danken dir! Äääh – nicht alle, denn bei so kostenlosen Preisen konnten sich natürlich nicht jeder zurückhalten. Wer aber trotzdem noch nicht genug bekam, der setzte sich zu später Stunde in eine nahegelegene Bar ab.

Als auch dieser gastfreundliche Schuppen endlich schloss, nachdem die letzten Rimstinger gingen, weil sie Bertl’s Lieblingslied vom „Träumenden Jens Lehmann“ nicht mehr hören konnten kehrte endlich Ruhe ein in dem kleinen beschaulichen Städtchen Tata, irgendwo zwischen Rimsting und Peking.

Am Samstag stand dann ein hartes Trainingsprogramm auf der Tagesordnung: Frühstück, Hungaro-Ring mit einem Omnibus in Rekordzeit, der Unterschied zwischen Buda und Pest, Kunstflugrekord, Budapest am Stück, Einkaufshektik in der Markthalle, Einführung in die Geheimnisse des Schafkopfens, Ungarischer Abend mit Musik und furchtbar leise Lieder auf der Rückfahrt.

Aber der Reihe nach. Das Frühstücksbuffet war sogar für unseren Kassier Michael Schleicher ausreichend. Er konnte sich mindestens sechsmal den Teller voll machen, und trotzdem blieb auch noch für die letzten Spätaufsteher was übrig. Wobei man natürlich erwähnen muss, dass einige verheiratete Männer kaum zum Essen kamen, da ihnen wegen der angeblich viel kurzen Röcke der Bedienungen (behaupteten zumindest die Frauen) ständig der Mund vom Gaffen offen  blieb. Als Michael Schleicher seinen neunten Teller vertilgt hatte, konnte endlich mit den Abfahrtsvorbereitungen nach Budapest begonnen werden.

Leider verzögerte sich auch das. Nicht, weil der vorläufige Ausweis von Rene schon wieder ungültig war, nein, unser Busfahrer wollte seinen Konkurrenten auf dem Hungaro-Ring einen größeren Vorsprung lassen. Ob jetzt die Strecke von Tata nach Budapest tatsächlich der berühmte Formel-1-Ring ist, kann ich nicht genau beurteilen, aber von der Geschwindigkeit her hätte Schumi I oder II auch nicht mithalten können. Wir Rimstinger sind ja viel gewöhnt, aber so ein Rennen hatten die Wenigsten bis dahin erlebt. Es gab sogar ein paar „Weicheier“, die vor lauter Angst nicht mehr auf die Straße blicken konnten (war das überhaupt eine Straße?). Dagegen gab aber auch wiederum einige hartgesottene Frauen unserer Damenmannschaft, die die hinteren Sitzreihen verließen, um das Rennen und den verbissenen Kampf unseres Fahrers von weiter vorne zu beobachten. Respekt, das hätten ihnen die wenigsten zugetraut!

Leider war auch das Bus-Formel-1-Rennen irgendwann mal zu Ende und man ging zusammen mit der zugestiegenen Reiseleiterin, eine flüchtige Bekannte unseres Fahrers aus früheren Sturm- und Drangzeiten, auf eine ruhigere Weiterfahrt nach Budapest zur dortigen Stadtrundfahrt. Diese gemächlichere Fahrt nutzten dann auch einige, um ihr Budget etwas aufzufüllen bzw. zu leeren. Wer früh sein Geld verlor zahlte einfach mit Naturalien oder setzte seine Frau als Pfand ein, welches einer besonders gern annahm.

Nachdem sich also die Magensäure der meisten Reiseteilnehmer aufgrund der ruhigeren, wenn auch nicht langsameren Fahrweise auf der Autobahn zwischen Tata und Budapest beruhigt hatte, gaben sich einige Herren dem Glücksspiel hin. Natürlich mitten drin statt nur dabei unser Vorstand und Finanzmänätscher Thomas F.. Weiterhin fanden sich in diesem finanzstarken und elitären Kreis noch Sparkassendirektor Andi F., Patentbesitzer und Sportplatzarchitekt Hans „Gasei“ G. sowie Getränkegroßhändler Michael V.. Dass es sich bei dieser Runde um illegale Spiele handeln musste, wurde spätestens bei der unverhofften Polizeikontrolle auf dem Highway deutlich. Die Vier wurden kreideblass und steckten flugs Spielkarten und Geldscheine weg. Unsere ungarische Reiseleiterin klärte aber die Sache schnell. Die Kontrolle lag nicht an der viel zu hohen Geschwindigkeit, wie einige annahmen, sondern Fahrer Herbert Bauer hatte vergessen, die Erlaubnis-Vingette für das verbotene Glücksspiel anzubringen. Zufrieden wurde dann das Karteln fortgesetzt. Bald war den Mitspielern klar, dass Hans G. nicht nur das Patent auf irgendwelche Rimstinger Schächte hat, sondern auch auf die besten Schafkopfkarten. Ständig wanderten die Tausender Scheine in seinen Geldbeutel. Es nahm solche Ausmaße an, dass er sich Raimund Vielberth als Buchhalter anstellen musste. Die Schuldscheine wurde am Ende wegen Papiermangels sogar die Fußsohlen von Marion Fenzl geschrieben, die aufgrund des Gewinns bald um einige Schuhnummern zu klein waren, obwohl sie doch sonst eigentlich auf großem Fuß lebt.

Die anderen Mitfahrer lauschten derweil den Ausführungen unserer Reiseleiterin, die immer wieder den Unterschied zwischen Buda und Pest erläutern musste, da Einser-Abiturent Stefan Fritz es einfach nicht kapieren wollte. Also Stefan, hier noch mal zum Nachlesen: Am rechten Donauufer liegt Buda und am linken Donauufer liegt Pest. Welches jetzt das rechte und welches das linke Ufer ist, kannst du dir selber aussuchen, denn einmal war die Donau auf der linken und dann wieder auf der rechten Seite vom Bus. Jedenfalls wurden beide Stadtteile 1873 zum heutigen Budapest zusammen gelegt.

Nach weiteren Geldverlusten waren Hans G.‘s Mitspieler endlich froh, in Budapest angekommen zu sein. Oder war es Buda? Oder Pest? Is ja egal, auf alle Fälle mussten wir aussteigen!

Das hat sich aber rentiert. Der Blick auf Budapest von dort oben war wirklich traumhaft. Spannend war auch das Schauspiel des anscheinend vom Weltkrieg übrig gebliebenen Kamikaze-Fliegers. Ständig versuchte dieser mit seinem sprengstoffgefüllten Flugzeug die Kettenbrücke zu treffen, um die Verbindung zwischen Buda und Pest oder Pest und Buda zu unterbrechen. Trotz zigfacher Versuche, auch nach Loopings und Pirouetten, traf er die Brücke nicht. Meist flog er übers Ziel, um letztendlich unter der Brücke durchzufliegen, der Versager!

Ein Gutes hatte es ja, wir konnten über die Kettenbrücke unsere Stadtrundfahrt fortsetzen. Als Herbert dann plötzlich keine Lust mehr zum Weiterfahren hatte, setzte er uns mitten in Buda, oder war es vielleicht Pest, aus und überließ uns unserem Schicksal. Glücklicherweise hatten einige ein gutes Näschen und fanden sofort die Markthalle mit ihren vielen verschiedenen Verkaufsständen, die alle das Gleiche verkauften. Wer nicht allzu viel beim Kartenspiel verloren hatte, konnte sich zumindest den Magen vollschlagen.

Gesättigt fanden wir unseren Bus wieder und durften auch einsteigen. Herbert war jetzt besser drauf, er hatte sich vermutlich im Bus etwas hingelegt. Wie und wo unsere Reiseleitung die Zeit verbrachte, wollte Herbert nicht sagen, aber auch sie sah sehr zufrieden aus.

Nach einem kurzen Ausflug in das hügelige Budapest (Stefan, weißt du‘s jetzt) mit einer Massenhochzeit wurde endlich die Rückfahrt ins Hotel nach Tata angetreten. Es eilte nämlich, da bereits der Ungarische Abend mit echtem ungarischen Essen, echtem ungarischen Wein und echter ungarischer Zigeunermusik auf uns wartete. Ein Großteil der Reisegruppe gab sich während der Rückfahrt der Meditation und der Erholung hin. Eine kleine Gruppe von unermüdlichen Kartenspielern konnte immer noch nicht glauben, dass Hans G. auch tatsächlich das Patent auf die besten Schafkopfkarten hatte. Also wurde versucht, das verlorene Geld zurückzuholen, um sich wenigsten an der Hotelbar noch ein Bier leisten zu können. Doch es blieb beim Versuch! Hans G. gewann und gewann (wenn die Rimstinger nur in der Bezirksliga auch einmal so gewonnen hätten! Aber da ließen sie ja Hans G. nicht mal als Linienrichter mitspielen). Es kam, wie es kommen musste. Der dem Glücksspiel hemmungslos verfallene Vorstand Thomas F. verlor zunächst sein Geld, dann sein Hab und zuletzt sein Gut. Doch anstatt nun endlich zur Besinnung zu kommen, machte er weiter. Zu aller Entsetzen begann er um sein bestes Stück zu spielen, um seine bei allen geschätzte und beliebte Renate - unsere First Lady. Weder ihr Bitten und Flehen noch Becircen und Verführen ließen Thomas F. vom Spieltisch weglocken, er war nicht mehr zu bekehren. Einer freute sich darüber natürlich besonders. Hatte er doch schon längst eine Auge auf die First Lady geworfen; nicht erst seit diesem Ausflug ist er bei vielen Frauen auch als „Gamsei“ bekannt.

Ja liebe Leser, es kam tatsächlich so, wie Sie sich denken können. Kurz vor Ankunft in unserem Hotel hatte unser Präsident Thomas F. seine First Lady verspielt. Alle Businsassen waren zu Tode betrübt, nur einer nicht, „Gamsei“ war seine Vorfreude ins Gesicht geschrieben. Ohne Ohren hätte er rundherum gegrinst. Alle Überredungskünste waren vergeblich. Hans G. beharrte auf Einlösung der Spielschuld, vor allem bei einer so reizvollen Trophäe.

Renate F. blieb aber etwas Zeit, sich auf ihr Schicksal vorzubereiten. Zunächst stand der Ungarische Abend bevor, den sie noch an der Seite ihres nun doch etwas reumütigen Mannes verbringen durfte. Dieser Ungarische Abend wurde dann auch etwas Besonderes, nicht nur für Renate.

Alle freuten sich auf ein echtes ungarisches Gulasch, echten ungarischen Wein und echte ungarische Zigeunermusik! Gut gelaunt fuhr man zu dieser echten ungarischen Datscha mit den schön geschmückten echten ungarischen Biertischen. Es waren noch gar nicht alle dem Bus entstiegen, da schallten uns auch schon echte ungarische Zigeunerlieder entgegen, wie z.B. „So ein Tag, so wunderschön wie heute ...“ oder „Trink, trink, Brüderlein trink ...“.

.. Da waren wir also endlich angekommen, beim echten ungarischen Abend mit echtem ungarischen Gulasch, echtem ungarischen Wein und echter ungarischer Zigeunermusik.

An dieser echten ungarischen Zigeunermusik merkte man gleich, dass die Ungarn und die Deutschen die gleichen Ahnen haben. Denn, wenn in zwei verschiedenen Ländern an Heimatabenden die exakt gleichen Stimmungs– und Unterhaltungslieder gespielt werden, daran können doch nur die gemeinsamen Vorfahren schuld sein. Na ja, lassen wir mal den Geschichtsunterricht beiseite, wichtig war auf alle Fälle, dass wir sofort ohne Dolmetscher in die rhythmischen Lieder mit einstimmen konnten. Die Gesänge wurde nur hin und wieder von den Zwischenmahlzeiten und einigen Schlückchen Wein unterbrochen.

Der Wein war in der trockenen Luft für die Ölung der Stimmbänder enorm wichtig, weshalb es bei den meisten Sängern auch etwas zuviel Schlückchen wurden. Doch der äußerst geringe Alkoholgehalt des Weines wurde vom üppigen echten ungarischen Essen schnell aufgesogen. Außerdem wurde gleich zu Beginn eine echte ungarische Tiroler Speckplatte serviert. Für die meisten gab‘s einen Teller, für Michael Schleicher, der sein ausgiebiges Frühstück längst verdaut hatte, gab es natürlich vier bis sieben. Nachdem sich Michael in der Küche vergewissert hatte, den gesamten „Tiroler Speck“-Bestand Ungarns vernichtet zu haben, ging es irgendwann zum Hauptgericht über. Wer hier am meisten verspeiste, bedarf wohl keiner Erwähnung. Nachdem die vorzügliche Nachspeise mit einem selbstgebrannten ungarischen Schnaps hinuntergespült worden war, konnte man sich wieder voll und ganz dem Wein und den Liedern widmen.

Als die Stimmung am Kochen war, fiel unserem Vorstand ein, seine Gastgeschenke zu übergeben. Das Problem war nur, er hatte keine! Glücklicherweise half ihm da seine verspielte First Lady mit einem echten Rimstinger Vereinsschal aus der Patsche. Kurzerhand nagelten er und Maxi Ziegmann den Schal an die Decke der Gaststube. So bleibt dieser ungarischer Abend auch den Wirtsleuten unvergesslich. Für uns ist er dies sowieso, denn wir uns fühlten wie zu Hause. Nein, nicht so wie beim Has‘n seine ungarischen Wochen, sondern so wie beim Grillfest der Feuerwehr oder beim Seefest vom Trachtenverein. Wir wollten den Has‘nwirt eh noch fragen, was er uns mit seinen ungarischen Wochen vorgaukelt? Mit dem, was wir erlebt haben, ist das nämlich nicht zu vergleichen!

Der ungarische Wirt hatte unsere Trinkfestigkeit anscheinend völlig falsch eingeschätzt. Plötzlich gab es Nachschubprobleme, der Wein floss immer spärlicher. Um nicht vollends trockengelegt zu werden, führte er für alle überraschend eine Sperrstunde ein (wieder so ein Unterschied zum Has‘n). Da damit keiner gerechnet hatte, waren wir auch nicht vorbereitet, denn sonst hätten wir rechtzeitig etwas von dem köstlichen Traubensaft bunkern können. Aber so konnten nur noch wenige Tropfen davon in Wasserflaschen für die Heimfahrt in den Bus geschmuggelt werden.

Der Bauer Herbert, unser Busfahrer, tut mir immer noch leid. Entweder hatte er auf der Rückfahrt Ohrenstöpsel drin, oder er ist jetzt taub. So gebrüllt haben die Rimstinger Fußballer bei ihren Aufstiegsfeiern nicht, wie bei dieser Fahrt. Jeder der meinte, singen zu können, griff sich das Mikrofon und peitschte auf die Mitfahrer mit seinem Lieblingslied ein. Allen voran natürlich unser Vorstand. Für ihn wüsste ich nun auch ein passendes Weihnachtsgeschenk: ein Liedertextbuch. Er kannte nämlich nur ein Lied mit unendlich vielen Strophen, die von einer meist bräunlichen Masse auf irgendwelchen Mauern und sonstigen Örtlichkeiten handelten. Zwischendurch erwähnte Andi Fenzl immer wieder, dass ein Lied viel zu leise gesungen wurde und deshalb mehrmals wiederholt werden musste. Natürlich jedes Mal um zwanzig Dezibel lauter. Auch das Lied mit dem schwierigen Text von der eisgekühlten Coca-Cola war hin und wieder zu hören. Trotz unserer vollen Hingabe bei den Sangesstücken, erreichten wir doch noch das Hotel.

Wer nach diesem Abend glaubte, Hans G. hätte seinen Spielgewinn vergessen, der sah sich getäuscht. Vom vielen Alkohol ermutigt, forderte er nun seinen Gewinn ein. Die First Lady gehörte für die nächsten Stunden ihm ganz allein. Also packte er Renate bei der Hand und entführte sie in eine dunkle Ecke. Nein, nicht in so eine Ecke wie Sie meinen! Hans ging mit Renate in die Bar, in der wir bereits am Vortag waren. Er stellte sich mit ihr in eine dunkle Ecke an der open-air-Theke. Die Trinkfestesten der Rimstinger Reisegruppe schlossen sich dem Marsch in diese gastfreundliche Lokalität natürlich sofort an und probierten noch diverse flüssige Leckereien aus. Was sich in der dunklen Ecke an der Theke genau abspielte, konnte im Nachhinein nicht mehr genau ermittelt werden. Fest steht jedoch, dass Renate mit ihrem Thomas ins Hotel zurückkehrte und Hans G. sich anschließend weiterhin erfolglos um eine weibliche Jagdtrophäe bemühte. Als Bertl Gartner zu noch späterer Stunde wieder sein Lieblingslied „Leeehmann, lass das Träumen“ anstimmte, wurde auch dieses Lokal wegen Sperrstunde geschlossen.

Am Sonntag stand dann die Heimreise ins schöne Chiemgau an. Doch zunächst musste Michael Schleicher sein Frühstück hinter sich bringen. Während Michael das Frühstücksbuffet mehrmals räumte, träumte Bertl immer noch von Jens Lehmann und Hans G. von der First Lady. Doch beim Anblick der jungen Bedienungen waren alle Männer wieder hellwach. Sie können bis jetzt noch nicht fassen, dass Röcke so kurz sein können. Oder waren es vielleicht doch nur etwas breitere Gürtel, die die Damen um die Hüften trugen? Egal ob Rock oder Gürtel, es ging heim.

Die Reise verlief zumindest bis zur ungarisch-österreichischen Grenze problemlos. Thomas Fritz hatte endlich das Schafkopfen gelernt und fast sein ganzes Geld zurückgewonnen, Renate hatte er eh schon wieder, und die restlichen Mitfahrer gaben sich der Meditation hin. Da aber noch einige Forint übrig waren, machte Herbert an einer Raststätte vor der Grenze noch mal Halt. Da die meisten eh bloß Zigaretten kaufen wollten, tat Herbert gleich etwas für unsere Gesundheit, und ließ uns vom Bus bis zum Shop ca. 1 km laufen, da ihm der Parkplatz direkt vor dem Geschäft anscheinend nicht gefallen hat.

Warum wir an der Grenze wieder um zwei Stunden länger brauchten als alle anderen Busse, konnte mir bis jetzt immer noch keiner erklären. Aber trotzdem kamen wir noch am Sonntag in Rimsting an.

Das war der Vereinsausflug 2001 nach Ungarn.

PS: Wann ist eigentlich der Nächste?